Kratom

Kratom

Substanz

Kratom nennt man die Blätter des in Südostasien beheimateten Kratom-Baumes (Mitragyna speciosa), umgangssprachlich auch Roter Sentolbaum genannt. Dieser gehört zur Familie der Rubiaceae, welche auch Rötegewächse genannt werden.

Der Hauptinhaltstoff ist das psychoaktive Mitragynin (ein Halb-Alkaloid), das chemisch mit Psilocybin verwandt ist und 7-Hydroxymitragynin.
In der traditionellen Medizin benutzt man Kratom für harte Arbeit, um Durchfall zu behandeln oder auch als Aphrodisiakum.

In den Herkunftsländern werden die frischen oder getrockneten Blätter gekaut oder als Tee getrunken, gelegentlich auch geraucht.

Länder, in denen Kratom als „kontrollierte Substanz“ eingestuft wird, sind:
Italien, Schweiz, Thailand, Dänemark, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Schweden, Australien, Malaysia, Myanmar, Vietnam.

Alternative Bezeichnungen

Thailand: Kratom Krathom, Kakuam, Ithang oder Thom

Malaysia: Biak-Biak oder Ketum

Philippinen: Mambog

Anwendungsgebiete von Kratom

Kratom wirkt euphorisierend und stimulierend und wurde daher traditionell von Arbeitern und Bauern bei schwerer Arbeit konsumiert.

In geringen Dosen erhöht Kratom die Wachsamkeit und seine anregende Wirkung vereinfacht die Arbeit über längere Zeit hinweg.
In höheren Dosierungen wirkt Kratom eher sedativ und anästhetisch.

Die sedierende und schmerzlindernde Wirkung bei höheren Dosen ähnelt der von Opioiden und so nutzt man Kratom auch in der Schmerztherapie. So kann Kratom bei der Krankheit RLS (Restless-Legs-Syndrom) als Alternative für eine Behandlung mit Opioiden wie Tilidin oder Oxycodon genutzt werden. Die schmerzlindernde Wirkung von Kratom ist wohl mit der von Codein vergleichbar.
Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Substitutionstherapie bei Opiatabhängigen. Dabei wird Kratom als Mittel gegen die Entzugserscheinungen bei der Absetzung von Opioiden verwendet. Dadurch soll das Ausschleichen von opiathaltigen Substanzen vereinfacht werden.

Einnahme

Kratom wird gekaut, getrunken oder geraucht. Durch den starken bitteren Geschmack kann es beim Kauen der bloßen Blätter zu Würgereizen kommen. Die Blätter können auch als Tee zubereitet, in Form von Joints oder in einer Bong geraucht werden. Man kann das Pulver oder die zerkleinerten Blätter auch in Joghurt, Milch und Kakao mischen.

Die praktischste Form des Konsums ist die Einnahme von gefüllten Kapseln.

Wirkung

Die Wirkung von Kratom ist sehr unterschiedlich und kann als paradox bezeichnet werden.
Dies wird so erklärt, dass Mitragynin in kleinen Mengen die Delta-Opioid-Rezeptoren stimuliert, aber dazu neigt, in größeren Mengen Mu-Opioid-Rezeptoren zunehmend zu stimulieren. Diese sind dieselben Rezeptoren, die bei der Einnahme von Opiaten stimuliert werden.

In geringen Dosen wird die Wirkung als stimulierend und euphorisch beschrieben. In Thailand werden die Blätter gekaut und zur Bekämpfung der Müdigkeit beispielsweise bei langen Arbeitszeiten eingesetzt. Die Wirkung setzt beim Kauen der Blätter bereits nach 5 bis 10 Minuten ein.

In höheren Dosen als beruhigend, narkotisierend und dämpfend.
In Malaysia wird Kratom daher auch als Opiumersatz benutzt.

Nach Einnahme einiger weniger getrockneter Blätter setzt die belebende Wirkung innerhalb von 10 Minuten ein und hält bis etwa eineinhalb Stunden an. Berichtet wird, dass Kratom die Aufmerksamkeit, das Arbeitsvermögen und die Geselligkeit erhöht, manchmal auch die sexuelle Begierde. Große Mengen Kratom, dem entsprechen etwa 10-25 g der getrockneten Blätter, führen zu einem traumähnlichen Zustand, der bis zu sechs Stunden anhält.

Die unterschiedliche Färbung der Blattvenen der Mitragyna speciosa ist ein Merkmal zur Differenzierung zwischen den verschiedenen Sorten des Kratoms. Je nach Farbe sind verschiedene Wirkstoffe enthalten. Als grobe Orientierung gilt:

  • Venenfarbe Rot: Die Blätter haben eine eher sedierende und scherzlindernde Wirkung.
  • Venenfarbe Weiß: Die Blätter wirken eher stimulierend auf den Körper, sodass Aufmerksamkeit und Wachheit gesteigert werden.
  • Venenfarbe Grün: Die Blätter wirken zum Teil stimulierend und zum Teil sedierend. Sie sind hinsichtlich der Wirkstärke jedoch schwächer als Blätter mit roten oder weißen Blattvenen.

Schmerzlindernde Wirkung von Kratom

Die schmerzlindernde Wirkung von Kratom ist mit der des Codeins vergleichbar. Die antinozizeptive Wirkung des 7-Hydroxymitragynins (eines der Alkaloide des Kratoms) ist 13 mal so stark wie die des Morphins (ehemals Morphium). Unter antinozizeptive Wirkung versteht man konkret die Wirkung, die er Schmerzwahrnehmung entgegen wirkt. Kratom ist somit ein sehr potentes Analgetikum, ohne die zahlreichen und gefährlichen Nebenwirkungen von Stoffen wie beispielsweise Morphin, zu welchem auch eine Kreuztoleranz besteht.

Der Umgang mit Kratom als Schmerzmittel

Generell gilt, besonders bei natürlichen Substanzen kann die wirksame Dosis sehr stark von von diversen Faktoren abhängen. Nüchternheit des Magens und Körpergewicht allein ermöglichen es nicht, die richtige Dosis abzuschätzen. Daher wird empfohlen, mit kleinen Dosierungen zu beginnen. So kann ein Gefühl für Kratom entwickelt und eine individuell passende Dosierung gefunden werden, ohne die Unannehmlichkeiten einer Überdosis erleben zu müssen. Diese äußern sich oft durch Kopfschmerzen oder Übelkeit, ähnlich einem Kater den man vom Alkohol kennt. Abhilfe schafft in so einem Fall reichlich Flüssigkeitszufuhr, Essen und Hinlegen.

Kratom in der Forschung

In Japan werden die Wirkstoffe von Kratom als Basis für weitere Schmerzmittel verwendet. Dazu mehr unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18550129

Nachweisbarkeit

Der Nachweis von Kratom erweist sich als schwieriger im Vergleich zu Cannabis oder Opioiden. Die im Kratom enthaltenen Alkaloide sind mit keinem verfügbaren „klassischen“ Drogentest nachweisbar. Ein Nachweis ist sehr aufwendig, teuer und in nur wenigen Laboren in Deutschland möglich.

Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Mischkonsum

Ein Mischkonsum sollte in Bezug auf die folgenden Substanzen unbedingt vermieden werden; Modafinil, Carisoprodol, Datura stramonium, Propylhexedrin.

Der Mischkonsum von Kratom mit Kokain, Amphetaminen oder hohen Dosen Koffein kann zu Überstimulierung und hohem Blutdruck führen.
Die Kombination von Kratom mit Alkohol, Benzodiazepinen, Opiaten und anderen Drogen, die das Nervensystem beruhigen, kann zu einer „Über-Beruhigung“ und somit zu Atemnot führen.
Außerdem sollte Kratom auf keinen Fall mit Mao-Hemmern (eine bestimmte Form von Antidepressiva) konsumiert werden.

Als akute Nebeneffekte können Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und ein gefühlter Anstieg der Körpertemperatur auftreten.

Beim chronischen Konsum von hohen Dosierungen können Abhängigkeit und Appetitlosigkeit auftreten. Erhöhte Reizbarkeit und Hyperpigmentation sind ebenfalls möglich.

Insbesondere bei exzessivem Langzeitkonsum ähneln die Entzugssymptome denen eines Opiat- bzw. Opioid-Entzugs. Es kommt zu starker Müdigkeit und Erschöpfung begleitet von Erkältungsbeschwerden (laufende Nase, häufiges Niesen) sowie innerer Unruhe, Nervosität und Schlaflosigkeit. Je nach Abhängigkeit klingen diese Symptome nach ca. 4 bis 7 Tagen vollständig ab.

Rechtliche Grundlage in Deutschland

In der EU ist die rechtliche Grundlage in den verschiedenen Ländern nicht einheitlich. In einigen Ländern wie zum Beispiel Dänemark und Schweden unterliegt Kratom der gesetzlichen Kontrolle.
In Deutschland jedoch fällt Kratom nicht unter das Arzneimittelgesetz und zählt somit nicht zu den gesetzlich kontrollierten Substanzen. Daher sind Besitz, Handel und Konsum rechtlich erlaubt. – Oberlandesgericht Köln in einem Beschluss vom 11.09.2015 (Az. 1 RVs 131, 136/15)

Quellen

  • Jessica E. Adkins u. a. (2011): Mitragyna speciosa, a psychoactive tree from Southeast Asia with opioid activity. In: Current Topics in Medicinal Chemistry 11, S. 1165–1175.
  • Peter Clarenbach, Heike Beneš (2006): Restless Legs Syndrom: Die unruhigen Beine. Klinik – Diagnostik – Therapie, 2. Auflage. UNI-MED, Bremen.
  • Leveret Pale (2016): Alles über die einzigartige Mitragyna speciosa. Books on Demand, Norderstedt.
  • Christian Rätsch (2007): Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. AT-Verlag, München.
  • K. M. Roche u. a. (2008): Kratom: A case of a legal high. In: Clinical Toxicology 46(7), S. 598.

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